# CRY-01 Richtlinie für die Verwendung kryptographischer Mechanismen

- Bereich: CRY – Kryptographie und Schlüsselmanagement
- Gegenüber C5:2020: geändert
- Webseite: https://c5.patrickscheid.de/cry-01/

## Basiskriterium

### CRY-01.01B

Richtlinien und Verfahren mit prozessualen und technischen Sicherheitsmaßnahmen für kryptographische Mechanismen sind gemäß SP-01 dokumentiert, kommuniziert und bereitgestellt, in denen die folgenden Aspekte beschrieben sind:

1. Verwendung von Verschlüsselungsverfahren und sicheren Netzprotokollen, die dem Stand der Technik entsprechen;
2. Verwendung von Hash-Funktionen und Salt-Werten, die beide dem Stand der Technik entsprechen;
3. Verwendung von Signaturschemata, die dem Stand der Technik entsprechen;
4. Risikobasierte Vorschriften für den Einsatz von Verschlüsselung und Authentisierung, die mit Schemata zur Informationsklassifikation (vgl. AM-09) abgeglichen sind und den Kommunikationskanal sowie die Art, Stärke und Qualität der Verschlüsselung berücksichtigen;
5. Anforderungen an die sichere Erzeugung, Speicherung, Archivierung, Abruf, Verteilung, Zurückziehung, Sicherung, Wiederherstellung und Löschung der Schlüssel;
6. Anforderungen an die Rotation kryptographischer Schlüssel, die den Best Practices der Branche folgen und das potenzielle Risiko einer Offenlegung von Informationen berücksichtigen;
7. Berücksichtigung der relevanten rechtlichen und regulatorischen Verpflichtungen und Anforderungen;
8. Dokumentation eines Änderungsmanagementprozesses zur Steuerung von Änderungen an kryptographischen, Verschlüsselungs-, Authentisierungs- und Schlüsselmanagementtechnologien; und
9. Berücksichtigung von Kryptoagilität, um einen effizienten Austausch implementierter kryptographischer Mechanismen während ihrer vorgesehenen Lebensdauer zu ermöglichen.

**Ergänzende Information (zu 01B, 02B, 01AC, 02AC):**

Die folgenden Technischen Richtlinien (in der jeweils aktuellen Fassung) enthalten Empfehlungen und Schlüssellängen für kryptographische Mechanismen nach dem Stand der Technik:

1. BSI TR-02102-1 Kryptographische Verfahren: Empfehlungen und Schlüssellängen;
2. BSI TR-02102-2 Kryptographische Verfahren: Empfehlungen und Schlüssellängen – Verwendung von Transport Layer Security (TLS);
3. BSI TR-02102-3 Kryptographische Verfahren: Empfehlungen und Schlüssellängen – Verwendung von Internet Protocol Security (IPSec) und Internet Key Exchange (IKEv2); und
4. BSI TR-02102-4 Kryptographische Verfahren: Empfehlungen und Schlüssellängen – Verwendung von Secure Shell (SSH).

Ein Änderungsmanagementprozess im Sinne des Basiskriteriums kann entweder durch den in DEV-03 beschriebenen Standard-Änderungsmanagementprozess abgedeckt oder als separater Prozess umgesetzt werden.

**Ergänzende Information:**

Kryptoagilität bezieht sich auf die Fähigkeit, die verwendeten kryptographischen Mechanismen oder die Implementierung solcher Mechanismen zu ändern, z. B. so, dass ein Wechsel zu größeren Schlüssellängen und stärkeren kryptographischen Mechanismen möglich ist. Für weitere Informationen wird auf BSI TR-02102-1 verwiesen.

### CRY-01.02B

Überprüfungen von Richtlinien und Verfahren bezüglich kryptographischer Mechanismen umfassen Prüfungen, dass die Richtlinien und Verfahren aktuell sind und der Technischen Richtlinie des BSI (BSI TR-02102) oder geeigneten NIST-Richtlinien (z. B. FIPS-140-Reihe und SP-800-Reihe) entsprechen. Abweichungen werden in einer Risikobewertung für zum jeweiligen Zeitpunkt gültigen kryptographischen Mechanismen analysiert und dokumentiert. Maßnahmen zur Abhilfe sind risikobasiert zu ergreifen.

## Zusatzkriterium

### CRY-01.01AC (Zusatz, erweiternd)

Der Cloud-Anbieter hat gemäß SP-01 eine Post-Quanten-Kryptographie-(PQC)-Strategie definiert und dokumentiert, um Bedrohungen zu begegnen, die von Gegnern ausgehen, die im Besitz eines Quantencomputers sind.

**Ergänzende Information (zu 01AC, 02AC, 03AC):**

Empfehlungen für die Migration zu PQC und die zukunftssichere Nutzung von Kryptographie werden beispielsweise bereitgestellt in:

1. der BSI-Leitlinie 'Kryptografie quantensicher gestalten - Grundlagen, Entwicklungen, Empfehlungen';
2. der von der Europäischen Kommission veröffentlichten Roadmap 'Ein koordinierter Implementierungsfahrplan für den Übergang zur Post-Quantum-Kryptographie'; und
3. den vorläufigen Entwürfen für die NIST-Veröffentlichung 'NIST SP 1800-38: NIST SP 1800-38: Migration to Post-Quantum Cryptography: Preparation for Considering the Implementation and Adoption of Quantum Safe Cryptography' (ausschließlich in englischer Sprache verfügbar).

### CRY-01.02AC (Zusatz, erweiternd)

Die PQC-Strategie des Cloud-Anbieters ist mit den Kryptographie-Richtlinien und -Verfahren abgestimmt und umfasst die folgenden Aspekte:

1. Pflege eines Verzeichnisses der verwendeten kryptographischen Mechanismen, einschließlich Prioritätsstufen für jeden Verzeichniseintrag auf Grundlage der Auswirkungen und Wahrscheinlichkeiten der durch Quantencomputing-Angriffe verursachten Risiken sowie des Aufwands zur Behebung solcher Risiken;
2. Sich über Verschlüsselungsmaßnahmen informiert zu halten, die als Stand der Technik und als sicher gegen Gegner gelten, die im Besitz eines Quantencomputers sind;
3. Verwendung hybrider Kryptographiemodelle, um Sicherheit sowohl gegen auf Quantencomputing als auch gegen nicht auf Quantencomputing basierende Angriffe zu gewährleisten; und
4. Definition von auslösenden Ereignissen, erforderlichen Ressourcen, Übergangsplänen und Erfolgskriterien für die Implementierung post-quantenkryptographischer Mechanismen.

**Ergänzende Information:**

Hybride Kryptographiemodelle, wie sie im Kontext der Post-Quanten-Kryptographie definiert sind, kombinieren klassische und quantensichere Mechanismen, um sicherzustellen, dass das System auch dann sicher bleibt, wenn eine Komponente kompromittiert wird. Der Zweck solcher Modelle besteht darin, langfristigen Schutz vor Bedrohungen wie 'store now, decrypt later' (jetzt speichern, später entschlüsseln) und anderen auf klassischem oder Quantencomputing basierenden Angriffen zu bieten.

### CRY-01.03AC (Zusatz, erweiternd)

Die PQC-Strategie, einschließlich des Verzeichnisses und der Risikobeurteilung, wird mindestens jährlich oder bei wesentlichen Änderungen, die sich auf die PQC-Strategie auswirken, überprüft.

**Ergänzende Information:**

Die Risikobeurteilung als Teil der Post-Quanten-Kryptographie-Strategie sollte Folgendes berücksichtigen:

1. die Bedrohungslandschaft, die durch Fortschritte im Quantencomputing entsteht;
2. Fortschritte bei kryptographischen Mechanismen, die als sicher gegen Angreifer angesehen werden, die im Besitz eines Quantencomputers sind;
3. dem kryptographischen Mechanismus innewohnende Schwachstellen; und
4. Schwachstellen, die sich daraus ergeben, wie kryptographische Mechanismen eingesetzt werden (z. B. Schlüssel, die über einen längeren Zeitraum verwendet werden und die durch diese Schlüssel geschützten Cloud-Dienstdaten, abgeleitete Cloud-Dienstdaten, Cloud-Kundendaten und Kontodaten könnten bereits heute abgegriffen und zu einem späteren Zeitpunkt entschlüsselt werden).

## Änderungen gegenüber C5:2020

Aus der BSI C5:2026 Änderungshistorie, die das BSI bisher nur auf Englisch veröffentlicht.

**Basiskriterium:**

Extended aspects to be covered by the procedures and technical safeguards by the use of hash functions and signature schemes, requirements for key rotation, documentation of a change management process, and consideration of crypto-agility.

Added reqiurement regarding reviews of policies and instructions for compliance with BSI or NIST guidelines.

Bullet points are now sorted to ease discussions about specific bullet points.

**Zusatzkriterium:**

Additional criterion newly included.

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Quelle: BSI C5:2026, maschinenlesbare Fassung v1.1.0, © Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) 2026, unverändert wiedergegeben unter CC BY-ND 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-nd/4.0/deed.de). Änderungshinweise: BSI C5:2026 Änderungshistorie, © BSI 2026, CC BY-ND 4.0. Inoffizielle Darstellung, ohne Verbindung zum BSI.
